
Eine Theorie der Demokratie, die Demokratie als eine Form des offentlichen Vernunftgebrauchs bestimmt, versteht sich heute keinesfalls mehr von selbst. Von der einen Seite trifft sie auf eine politische Realitat, die statt durch den Austausch von Grunden mittlerweile mehr durch Verfalschung oder Leugnung von Fakten, gesellschaftliche Polarisierung und populistische Agitation gepragt erscheint. Von der anderen Seite richten sich gerade in den Zeiten des Klimawandels viele Hoffnungen weniger auf demokratische Verfahren als auf die Durchsetzung eines objektiv Richtigen, wie man es exemplarisch in der Sozialfigur des Experten verkorpert sieht. Nach wie vor liegt aber die Vorstellung eines offentlichen Vernunftgebrauchs sowohl unseren normativen Intuitionen von Demokratie als auch der Interpretation der Verfassung zugrunde: als ein Massstab, der es uberhaupt erst ermoglicht, Fehlentwicklungen als solche zu erkennen und zu benennen. Daraus ergeben sich zugleich Elemente einer Demokratietheorie des Grundgesetzes.
Page Count:
148
Publication Date:
2024-09-10
No comments yet. Be the first to share your thoughts!