
Ein chinesischer Kaiser, der von der totalen Herrschaft über die Zeit träumt, Autorinnen aus dem 19. Jahrhundert, die sich gegen die Zwänge ihrer Wirklichkeit auflehnen, ein Mädchen im Simmering des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, am Rand der Stadt und am Rand der Weltgeschichte: Thomas Stangl löst einzelne Momente der individuellen Lebensgeschichte, eigener und fremder Familiengeschichten sowie weit entfernte historische Momente aus ihren Zusammenhängen und montiert sie zu neuen Konstellationen. Er verwebt Gesten, Handlungen und Szenen zu einem faszinierenden, jeder Zeitordnung enthobenen Roman und errichtet einen kontrastreichen Erzählraum, in dem vermeintliche Selbstverständlichkeiten neue Bedeutung gewinnen und konventionelle Vorstellungen von Biografie, Identität und Wirklichkeit verloren gehen. Quecksilberlicht ist ein Roman soghafter Kraft über Geschichte, das Vergehen der Zeit und das Fortleben alles Geschehenen in unser aller Leben. Der chinesische Kaiser hielt sich für das Zentrum des Universums und versuchte, durch die Einnahme von Quecksilber unsterblich zu werden; er starb an Quecksilbervergiftung. "Beeindruckend ist die Erzählung über die eigene Familie, in welcher der Autor auch von sich spricht. Er stellt den bildungsfernen Hintergrund seiner Vorfahren dar und will wissen, woher sein Interesse an der Literatur kommt. Eine stärkere Ausarbeitung dieses autobiographischen Zusammenhangs hätte dem Buch gut getan. Empfehlenswert ist der Roman durch die kristalline Form des Erzählens: die verdichtete Sprache, die regelmäßige Struktur der Sätze, der ausgeglichene und kunstvolle Ton. Für die Gattung des Romans fehlt eine Dramaturgie - die Reihung der Bruchstücke ermüdet" (wdr.de)
Page Count:
267
Publication Date:
2022-01-01
ISBN-10:
3751800840
ISBN-13:
9783751800846
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