
Trotz der oftmals attestierten Nähe des Schreibens W. G. Sebalds zum Denken Walter Benjamins zeigt Luisa Banki, dass sich diese Wahlverwandtschaft weder im Archiv noch durch intertextuelle Nachweise wirklich belegen lässt. Erst eine philologisch und philosophisch tiefgreifende Rekonstruktion erlaubt die Darstellung der Beziehung der beiden Autoren. Auf dem Weg dorthin entsteht eine »post-katastrophische Poetik«. <br>Diese erlaubt, sowohl die Singularität der Shoah als auch ihre Ge-schichtlichkeit in der Katastrophe, »dass es so weiter geht« zu fokussieren. Betrachtet vor dem Horizont der benjaminschen Diagnose, das Erzählen sei im Zeitalter der Information unmöglich geworden, erscheint dabei im sebaldschen Text eine andere Triebfeder des Erzählens: Nicht die Melancholie, wie es die herrschende Interpretation zu wissen meint, sondern die Paranoia führt seinem Erzähler die Feder. So wird Sebald - mit und durch Benjamin - gleichsam »gegen den Strich« gelesen und zum unverzichtbaren Gesprächspartner auch unserer zeitgenössischen Gegenwart.
Page Count:
242
Publication Date:
2016-01-01
ISBN-10:
3770560728
ISBN-13:
9783770560721
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